Oder-Neiße-Radweg Mai 2018

Vier alte Herren und zwei junge Recken wollten mal den Oder-Neiße-Radweg durch den Nationalpark Unteres Odertal probieren. Nachdem wir im letzten Jahr den Berlin – Usedom – Radweg erfolgreich gefahren sind, war dies also unsere nächste Herausforderung. Wir sind alle keine Sportler und haben auch keine besonderen Fahrräder. 250 km an zwei Tagen mit einem Rad von Aldi. Pünktlich zu Pfingsten baut die Deutsche Bahn gleich auf mehreren Baustellen rund um Berlin. So fuhr kein Zug von Bernau nach Berlin (SorryJungs) und auch kein Zug von Berlin nach Frankfurt (Oder). Die Auskunft im Reisecenter Gesundbrunnen war genervt und keine sehr freundliche Hilfe. Wir fuhren am 19. Mai mit unseren Fahrrädern zum Alexanderplatz und von dort aus mit der Linie S3 bis Erkner. In Erkner wollten wir dann in den RE1 nach Frankfurt / Oder steigen. Dazu mussten wir laut Ausschilderung in Erkner unsere bepackten Fahrräder die Treppe runter aus dem Bahnhof tragen, da der dortige Fahrstuhl zu klein für ein Fahrrad war. Dann die Fahrräder wieder Treppe hoch zum Bahnsteig 2. Oben angekommen stand dort dann das der Zug heute ausnahmsweise vom Bahnsteig 1 fährt. Also wieder runter und andere Seite wieder hoch. Dann endlich im RE1 sitzend konnte es aber nicht pünktlich losgehen, da eine Tür vom Zug nicht richtig schloss.

Linie S3 - Richtung Erkner - Oder-Neiße-Radweg
Linie S3 - Richtung Erkner - Oder-Neiße-Radweg

Der Schaffner völlig genervt, ging es 15 Minuten später endlich los. Liebe Bahn vielen Dank dafür. Jetzt weiß ich was der Spruch „Deutsche Bahn dein Risiko“ bedeutet. Der Oder-Neiße-Radweg eigentlich Neiße-Oder-Radweg ist ein rund 630 Kilometer langer Fernradweg.

Er beginnt in Tschechien, doch wir lassen die Neiße ganz weg und beginnen unsere Tour in Frankfurt direkt an der Oder. Am Bahnhof gab es auch gleich ein Hinweisschild für den Oder-Neiße-Radweg. Doch das wars denn auch.

Wir orientierten uns nach der Sonne und suchten erst einmal die Oder. Diese gefunden ging es nun endlich los. Zunächst war es ein Asphaltweg. Doch dann schickte man uns runter auf einen Sandweg. Wir fragten lieber noch mal Passanten und fuhren dann weiter.

Aus dem Sandweg wurde Rasen, Wiese und plötzlich kurz vor Lebus standen wir vor einem Gewässer und wussten nicht mehr weiter.

RE1 Frankfurt (Oder) - Oder-Neiße-Radweg
RE1 nach Frankfurt (Oder) - Oder-Neiße-Radweg

Zurück wollten wir auch nicht. Plötzlich rief von der anderen Seite ein Einwohner das wir an einer bestimmten Stelle ganz gut durch das Wasser kommen würden. Also Schuhe und Socken aus, Fahrrad auf die Schulter und durchs Wasser auf die andere Seite.

Und nicht nur wir, auch zwei Sportler aus Altenburg mit ihren Rädern erging es genauso. Wir fragten den freundlichen Einwohner dann nach dem richtigen Weg, bedankten uns und fuhren weiter.

Nun ging es asphaltiert auf dem Deich und das Kilometer weit noch mit mäßigem Wind aus Nordost. In Küstrin Kietz angekommen, sahen wir dann das erste mal das Zeichen für dem Oder-Neiße-Radweg.

Dort in Küstrin Kietz mussten wir dann eine kleine Schleife fahren um über die Schienen und durch die Straße zu kommen.

Frankfurt an der Oder - Oder-Neiße-Radweg
Start Frankfurt an der Oder - Oder-Neiße-Radweg

In Kuhbrücke dann auch nochmal kurz geraten welchen Weg und dann wieder bei jetzt stärkerem Wind auf dem Deich entlang. Zum Glück gab es immer parallel einen zweiten Weg der unterhalb des Deiches verlief und somit etwas windgeschützter war.

Aber man konnte halt nicht soviel von der schönen Flusslandschaft sehen. Alsterpause dann am Deichweg 20 im Gasthof zum Hafen. Da haben wir die Jungs aus Altenburg nochmals getroffen welche uns eine deprimierende Geschichte erzählt haben.

180 km 31er Schnitt und der älteste von ihnen war 76 Jahre alt. Danke Jungs das war sehr hilfreich. Dann sind wir den Deichweg weiter gefahren, welcher immer nach 1km eine Kennzeichnung hatte.

An der Deichscharte Zollbrücke vorbei und dann die erste große Panne. Einer von uns blieb zurück und die anderen merkten es nicht.

Fahrrad auf die Schulter und durchs Wasser - Oder-Neiße-Radweg
Die Fahrräder auf die Schulter und durchs Wasser

Da wir ja nahe Polen waren war es mit dem Funknetz auch nicht so gut bestellt dort. Der zurückgebliebene hatte eine Reifenpanne und musste diese selbst reparieren.

Die anderen haben den Verlust irgendwann gemerkt und gedacht na irgendwann muss er ja kommen, denn es gab ja nur den einen Weg. Wir haben derzeit kurz vor Hohenwutzen unsere frischen Baguettes mit Käse und Salami belegt und gegessen.

Dann ging es irgendwann weiter auf dem Deichweg bis ins untere Odertal. Kurz vor Stolpe/Oder kam uns eine nette Frau entgegen und empfahl uns den Aussichtsturm in Stolpe. Doch wir wollten nur weiter und mal endlich die Dächer von Schwedt sehen.

Ab jetzt wurde der Wind böig und wir waren immer noch auf ellenlangen Deichwegen ohne irgendwelchen Windschutz. Schwedt war einfach immer und immer noch nicht zu sehen. Das zärte stark an unserem Willen. Dann endlich Schwedt in weiter ferne aber halt schon zu sehen.

Oder-Neiße-Radweg Mai 2018
Der Oder-Neiße-Radweg - östlichster Radfernweg

Wir fuhren und fuhren doch wir kamen irgendwie nicht näher ran. Als wenn es jemand immer wieder weiter weg schob. Um 18:00 Uhr ca. 18 km vor Schwedt riefen wir unser Restaurant Jägerhof an in welchem wir einen Abendbrottisch zu 19:00 Uhr reserviert hatten.

Wir verlegten den Termin auf 20:00 Uhr. Nun ging es mit wirklich eisernen Willen und Zähne knirschen weiter bis zu einer Brücke welche uns dann endlich nach Schwedt rein führte. Dort den erstbesten Markt angehalten und Getränke in Massen eingekauft.

19:30 endlich das Stadtpark Hotel in welchem wir 3 Zweibettzimmer reserviert hatten erreicht. 130 km waren das und wir dachten 90. Einchecken ging sehr schnell und freundlich. Fahrräder durften wir im Keller sicher verstauen.

Alle aufs Zimmer und geduscht und um 20:10 Uhr waren wir im Restaurant in welchen für uns ein wunderschöner Tisch bereit stand und wir herzlichst empfangen wurden.

Staustufe Hohensaaten - Oder-Neiße-Radweg
Staustufe Hohensaaten - Oder-Neiße-Radweg

Nach reichlichen Essen und einigen Bierchen ging es dann um 23:30 Uhr ins Bett. Zwischen 8:00 Und 8:30 war Frühstück bestellt welches es reichlich gab. Um 10:00 Uhr ging es dann weiter Richtung Torgelow, angeblich nur 86 km.

Wieder zurück auf dem Deichweg und der Wind war auch wieder da. Und wie gestern gleich wieder verfahren da keine Beschilderung vorhanden war.

Ein Plattenweg den wir dann falsch entlang fuhren und erst spät merkten das das polnische Seite ist und vorläufig keine Brücke mehr kommt. Ob das die Polen waren damit wir sie besuchen kommen oder nur irgendwelche Hirnies können wir nicht sagen.

Dann endlich den richtigen Weg am PCK Schwedt vorbei. Nun endlich verließen wir den Deichweg und kamen in kühle Waldwege. Aber es wurde auch leicht hügelig. In Friedrichsthal begann nun eine Umleitung nach Gartz.

Umleitung nach Gartz - Oder-Neiße-Radweg
Umleitung nach Gartz - Oder-Neiße-Radweg

Der Oder Neiße Radweg war ab hier gesperrt und mit einer Umleitung ausgeschildert. In Gartz dann endlich angekommen, Radlerpause mit Eis in der Pension zum Mühlenteich.

Durch Gartz wieder durch gewurschtelt einmal das Minischild welches fast hinter einem Baum stand übersehen. Doch irgendwann wieder den Richtigen Weg gefunden. Nun kam ein Hügel nach Staffelde hoch welcher sehr kräftezehrend war.

Danach ging es in der prallen Sonne über Wiesen und Felder hügelig hoch und runter weiter nach Penkun wo wir dann durch die Hügel sehr knülle waren. Dort haben wir uns nach dem Weg durchgefragt und sind weiter nach Löcknitz gefahren.

Immer in der Hoffnung das die Hügel irgendwann aufhören. Direkt In Lebehn hatten wir dann die zweite Reifenpanne. Und da wir keinen Ersatzschlauch mehr hatten mussten wir den alten Fahrradschlauch eben schnell mal flicken.

Im Land der Windmühlen - Oder-Neiße-Radweg
Im Land der Windmühlen - Oder-Neiße-Radweg

Nette Bewohner in Lebehn gaben uns dann eine Schüssel mit Wasser damit wir das Loch finden konnten. Es war Flickzeug aus Amerika und kein Kleber dabei. Denn Flicken aufs Loch und mit Luftdruck abgepresst. Hat bis ins Ziel gehalten.

Kurz vor Löcknitz wurden wir dann von einem großen Fan Publikum erwartet. Freunde und Verwandte kamen uns entgegen um uns anzufeuern und zu versorgen. Nun gab es Kaffee, kalte Getränke und viel zu essen. Ab dem jetzigen Zeitpunkt hatten wir ein Begleitfahrzeug. Herrlich.

Die letzten 31 km, angespornt und gestärkt, mit letzten Kraftreserven, fuhren wir ohne Hügel und mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 kmh nach Torgelow unserem Ziel.

Als wir unser Ziel nach 250 Kilometern erreichten, wurde geduscht, gegrillt und mit einigen kühlen Blonden die zwei Tage ausgewertet.

Der Oder-Neiße-Radweg ist wunderschön gewesen und bei gutem Wetter für jeden geeignet. Die Strecke ist recht flach und gut befahrbar. Man fährt nur wenig auf Straßen und diese sind dann zum Glück nur wenig befahren. Reisebilder Oder-Neiße-Radweg