Spreewaldtour April 2018

Etwa 100 Kilometer südlich von Berlin liegt das 475 Quadratkilometer große Biosphärenreservat Spreewald im Land Brandenburg. Eine in Mitteleuropa einmalige Landschaft mit einem Kilometer langen Netz von natürlichen und künstlichen Wasserläufen der Spree, den typischen Feuchtwiesen, kleinen Äckern und naturnahen Niederungswäldern. Das Wasser bestimmt den Lebensrhythmus der Menschen im Spreewald. Jedes Gehöft besitzt einen kleinen Hafen sowie einen Kahn. Mit diesem wurde früher die Ernte vom Feld geholt und die Kinder zur Schule gebracht. „Und daß dem Netze dieser Spreekanäle Nichts von dem Zauber von Venedig fehle, Durchfurcht das endlos wirre Flußrevier In seinem Boot der Spreewald-Gondolier!“ – Theodor Fontane besuchte den Spreewald 1859, wohnte einen Gottesdienst in Lübbenau bei und nahm an einer Kahnfahrt über Lehde und Leipe teil. Wir fuhren mit der Bahn, unseren Fahrrädern, für 11,70 € pro Person, bequem etwa 1 Stunde von Berlin nach Lübben. Die Spreewaldstadt zählt zum Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden in Brandenburg. Die Sorben/Wenden gehören zu den slawischen Volksstämmen, die sich im 6. Jahrhundert im Spreewald ansiedelten und bis heute untrennbar mit der Region verbunden sind. Die sehr schönen Wendischen Trachten waren lange Zeit ein fester Bestandteil der Alltagsmode im Spreewald.

Gurkenradweg - Spreewald - Lübben - Marktplatz
Gurkenradweg - Spreewald - Lübben - Marktplatz

Heute werden sie nur noch bei Festen und Veranstaltungen getragen. In Lübben vereinigt sich die Spree und verbindet den südlichen und größeren Oberspreewald mit den nördlichen, kleineren Unterspreewald.

Vom Bahnhof Lübben aus fuhren wir nun durch den Lübbener Hain zum Marktplatz und fanden dort auch recht schnell die Markierungen für den Gurkenradweg, welchen wir ja auch entlang radeln wollten.

Der Gurkenradweg ist eine Rundtour von etwa 250 Kilometer Länge durch den Spreewald. An der SpreeLagune begann dieser für uns und ging dann immer an der Spree entlang.

Es ist dort ein wunderschöner Radweg der uns dann direkt bis an das Tor zum Spreewald der Stadt Lübbenau brachte. Lübbenau liegt vollständig im Spreewald und zählt mit seinen Ortsteilen Lehde und Leipe zum weltweit bekannten Biosphärenreservat Spreewald.

Gurkenradweg Spreewald / Raduscher Buschmühle
Gurkenradweg Spreewald / Raduscher Buschmühle

Wir besuchten dort den Kahnhafen, das Hotel Schloss Lübbenau und fuhren dann weiter auf dem gut ausgeschilderten Gurkenradweg. Aber den Wegweiser nach Lehde übersahen wir leider, er war einfach zu Mini und so kamen wir direkt in Leipe an.

Nach kurzer Rast am Hafen entschieden wir uns gegen den direkten Weg nach Burg und fuhren den Gurkenradweg weiter nach Radusch. Vorbei an der Dubkow Mühle und der Raduscher Buschmühle eine ehemalige Wassermühle.

Hier sahen wir zum ersten mal einen Nutria, auch Biberratte genannt, welche völlig unbeeindruckt von uns war.

Nun ging es auf kleinem Umweg unter der Bundesautobahn 15 hin durch, zur Slawenburg Raddusch eine äußerlich weitgehend originalgetreue Nachbildung einer slawischen Fliehburg. Dann fuhren wir weiter über Vetschau, wo wir mal leicht die Orientierung verloren haben.

Gurkenradweg - Spreewald Therme mit Solebad - Burg
Gurkenradweg - Spreewald Therme mit Solebad

Spreewalddorf Lehde Und schließlich weiter auf dem Gurkenradweg nach Burg in unsere Pension. Jetzt hatten wir ca. 60 km Gurkenradweg hinter uns und fuhren trotzdem noch mal mit dem Rad in die Spreewald Therme.

In der Spreewald Therme dem Sole-Thermalbad des Spreewaldes, entspannten wir fast 3 Stunden bei Wassertemperaturen von ungefähr 35 Grad. Die wertvolle Thermalsole entspringt in 1.350 Metern Tiefe direkt unter der Therme.

Spät in der Nacht kamen wir dann wieder in unserer Pension an und mussten feststellen das der Fernseher nicht ging, da ein Kabel fehlte. Doch den brauchten wir wirklich nicht mehr.

Am nächsten Morgen frühstückten wir bei herrlichem Sonnenschein auf der Terrasse um dann mit unseren Fahrrädern zum Bootsverleih am Leineweber zu fahren. Dort hatten wir ein 2er Kajak mit Steuer für 10 Uhr reserviert um dort auch schnell los zu kommen.

Gurkenradweg - Spreewald - Wasserwandern
Gurkenradweg - Spreewald - Wasserwandern

Nach den Formalitäten paddelten wir den Südumfluter in Richtung Basttianschleuse an der wir dann aber kurz vorher rechts in einen Verbindungskanal zum Kleinen Leineweberfließ in den wir links einbogen.

Weiter ging es bis zum Ostgraben und dann kam irgendwann wieder eine Schleuse. Die Schleusen im Spreewald werden selbst bedient und sind mit ein wenig Kraftaufwand nicht unbedingt kompliziert.

Das haben einige pfiffige Kinder sich als zusätzliche Einnahmequelle auserkoren und machen sich damit einen sogenannten Schleusengroschen. Nachdem er fast fertig ist sagt er noch ein Vers auf wie: Schleusenwärter groß und klein, wir lassen Sie in die Schleuse rein. Leipe

Wir lassen Sie auch wieder raus, und wir hoffen, Sie geben einen aus. Ist uns´re Arbeit dann getan, recht gute Fahrt im Spreewaldkahn.

Gurkenradweg - Spreewald - Schleusenwärter
Gurkenradweg - Spreewald - Schleusenwärter

Wird weniger gegeben als vermutet, wird der Kahn sofort geflutet! Nun gaben wir 2 € denn der Vorteil für uns bestand darin, das wir nicht aus und einsteigen mussten und die Idee war ja auch witzig.

Die Wasserwanderkarte zu verstehen ist anfangs etwas kompliziert und daher haben wir uns auch mal verfahren und waren plötzlich wieder in Burg niedersorbisch Nowa Niwa. Nichts desto trotz sind wir bis nach Leipe durch den wunderschönen Spreewald gepaddelt.

Dort angekommen haben wir uns natürlich die vielen schönen Häuschen angesehen und im Spreewaldhotel Leipe eine längere Rast gemacht. Wir suchten anschließend noch den Hafen von Leipe, denn da sollte heute ein Fest sein, doch wir fanden ihn nicht.

Mit den Schildern dort ist es so eine Sache. Pensionen, Hotels, Ferienwohnungen, Kneipen sind gut und reichlich ausgeschildert, aber sonst…

Gurkenradweg -  Biosphärenreservat Spreewald
Gurkenradweg - Biosphärenreservat Spreewald

Wir sind dann ganz langsam und entspannend wieder zurück zum Bootsverleih gepaddelt da wir bis 18:00 Uhr das Boot wieder abzugeben hatten.

Um 17:38 Uhr angekommen und 24 km gepaddelt nutzten wir die Gastfreundschaft des Bootsverleihes und aßen gegrillte Haxe, gebratenen Schinken, tranken Wein, Bier und genossen den wunderschönen Abend.

Anschließen fuhren wir diesmal nicht unseren gewohnten Radweg zur Pension, sondern probierten diesmal die Straße bis zum Bismarckturm auf dem Schlossberg und dann über die Ringchaussee.

Hier kamen uns alte Erinnerung von unserem letzten Besuchen im Spreewald wieder und fuhren dann zur Pension. Nun funktionierte auch unser Fernseher und wir sahen uns den US-amerikanischen Fantasyfilm Peter Pan von Joe Wright aus dem Jahr 2015 an.

Gurkenradweg - Spreewald - in Richtung Leipe
Gurkenradweg - Spreewald - in Richtung Leipe

Am nächsten Morgen war unser Frühstückstisch auf der Terrasse für uns reserviert. Bei besten Wetter aßen wir unser Frühstück und fuhren dann nach Burg und starteten die Rücktour nach Berlin. Am Bismarckturm fragten wir dann ein älteres Ehepaar nach dem Gurkenradweg.

Der Mann wollte gar nicht mehr aufhören mit erzählen und irgendwann ging es weiter 10 km Richtung Straupitz. Der Weg war schlecht bis gar nicht ausgeschildert und so irrten wir umher.

Eine Panzerstraße am Südumfluterentlang und irgendwann kamen wir leicht genervt von Google, in Straupitz an. Wir fuhren an der Schinkelkirche vorbei und nahmen Kaffee und Kuchen im Historischem Kornspeicher.

Nun fuhren wir in der prallen Mittagssonne, gefühlte 30 Grad, im zick zack und auf teilweisen schlechten Wegen in den Ort Neue Zauche, niedersorbisch Nowa Niwa. Das Ortsbild wird geprägt von der neugotischen Dorfkirche einem kreuzförmigen Backsteinbau.

Gurkenradweg - Spreewalddorf Lehde - Lübbenau
Gurkenradweg - Spreewalddorf Lehde - Lübbenau

In Neue Zauche fuhren wir dann auch an eine ehemalige Wasserburg dem dortigem Schloss vorbei. Nun ging es wieder auf sehr sandigem Untergrund den Gurkenradweg entlang, weiter über Wußwerk und weiter bis nach Alt Zauche.

Dort am Kahnhafen wo sich das Technische Denkmal am Nordumfluter, das Wehr 110 mit Schleuse befindet machten wir Rast und aßen und tranken etwas. Nun wollten wir den Gurkenradweg nicht weiter suchen und fuhren laut Straßenschild nach Lübbenau ca.10 km.

Doch die Straße war bald zu Ende und Google fragten wir schon lange nicht mehr, und bei brütender Hitze fuhren wir dann ewig auf einer Panzerstraße durch das Biosphärenreservat Spreewald.

Irgendwann kamen wir dann an eine Kreuzung an welcher uns ein Schild wieder 13,5 km zurück schicken wollte um an unser Ziel, nämlich Lübbenau/Spreewald zu kommen.

Gurkenradweg - Spreewald - Schloss Lübbenau
Gurkenradweg - Spreewald - Schloss Lübbenau

Völlig verzweifelt kam die Rettung in Form von drei sehr netten Radfahrern, welche noch ein alte klassische Fahrrad- und Wanderkarte in ihrem Gepäck hatten. Sie zeigten uns Gott sei dank den richtigen Weg.

Dieser führte uns etwa 3 km nach Wótšowska, eine Insel im Erlenwald etwas außerhalb von Lübbenau. Von dort aus ging es dann über mehrere Brücken. Die mussten wir mit unseren voll gepackten Fahrrädern tragend, Trepp hoch Trepp runter überwinden.

Das war uns aber egal, denn es war Lübbenau, ein Ende abzusehen. Endlich gegen 14:30 Uhr angekommen machten wir am Kahnhafen eine Rast, um dann nochmal nach Lehde zu fahren. Denn da waren wir ja auf unserer Hintour glatt dran vorbei gefahren.

Das komplett unter Denkmalschutz gestellte Lehde ist das beliebtes Ausflugsziel für Touristen im Spreewald. Wir waren überrascht wie voll es in Lübbenau und Lehde war.

Gurkenradweg
Gurkenradweg - Spreewald - Touristen Invasion

Vom Lübbenauer Großen Hafen werden die Besucher in traditionellen Spreewaldkähnen nach Lehde gestakt. Über Jahrhunderte war Lehde ausschließlich auf dem Wasserweg zu erreichen.

Wir schauten nur kurz vorbei, A, weil es so voll war und B, weil wir unsere voll gepackten Fahrräder nicht mehr über die vielen Brücken heben wollten. Nun fuhren wir zum Bahnhof nach Lübbenau und dort beendeten wir unsere Reise.

Beim Italiener am Bahnhof noch ein Käffchen und dann mit der Bahn wieder für 11,70 € nach Berlin Hohenschönhausen zurück. Der Gurkenradweg im Biosphärenreservat Spreewald ist trotz der Strapazen, der manchmal fehlenden Hinweisschilder eine sehr schöne Tour und unbedingt, und das auch für Familien geeignet.

Negativ aufgestoßen sind uns die Preise für die Übernachtungen die so bei 80 € nach oben offen, lagen und das im April. 80 mal 14 Tage = 1120 €. Da ist es für eine Familie an der Ostsee bald billiger. Reisebilder Spreewaldtour