Usedom April 2018

Usedom ist die sonnenreichste Region in Deutschland und zweitgrößte deutsche Insel nach Rügen. Sie liegt in der Pommerschen Bucht in der südlichen Ostsee. Die Badewanne der Berliner, entstand Ende des 19. Jahrhunderts und weil Kaiser Wilhelm II. auch dort war, werden die Ortschaften Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin Kaiserbäder genannt. Damals war die schöne Insel noch mit der Karniner Brücke, einer ehemals etwa 360m langen Eisenbahnbrücke verbunden. Dieser wurde leider nach dem Krieg gesprengt und nicht wieder aufgebaut. Heute fährt man mit dem RE3 und einem Ostseeticket von Berlin über die neue Peenebrücke in Wolgast, bis nach Ahlbeck und ist im Idealfall in 4:30 Stunden angekommen. Unterkünfte gibt es dort fast soviel wie Strandsand. Die Menschen die dort die Immobilien erstanden haben, leben sehr gut von den Urlaubern. Das billigste Angebot bei Booking.com für eine Familie mit zwei schulpflichtigen Kindern, 14 Tage in den Sommerferien, war im Frühjahr gebucht, 2321 €. Wir aber haben in der Zwischensaison, im Haus Ostpreußen, im Ostseeheilbad Ahlbeck, bekannt für die älteste Seebrücke Deutschlands, für ein Wochenende im April eingecheckt. Nicht direkt am Strand aber günstig. Dann haben wir uns Fahrräder an der Mietrad-Station Ahlbeck ausgeliehen.

Das kann man übrigens auf der Insel Usedom überall schnell und für einen schmalen Taler machen.

Seebad Ahlbeck älteste Seebrücke in Deutschland
Seebad Ahlbeck - älteste Seebrücke - auf Usedom

Damit erspart man sich das anstrengende Prozedere mit dem eigenen Fahrrädern in Kombination mit der Deutschen Bahn. Normale Fahrräder kosteten 6,50 € pro Tag und für bequeme Leute die E-Bikes nur 17 €.

In Ahlbeck auf der Insel Usedom führt die längste Strandpromenade Europas vorbei. Die Strandpromenade erstreckt sich über eine Länge von über zwölf Kilometern einmal nach Bansin und andere Seite bis nach Świnoujście an die Mündung der Swine.

Wir fuhren zuerst mit unseren gemieteten Drahteseln Richtung Bansin bis nach Ückeritz, wo wir früher als Jugendliche jedes Jahr immer zu Herrentag zelteten und die Ostsee angebadet haben. Vorbei an der längsten Seebrücke Deutschlands.

Die Seebrücke in Heringsdorf auf der Ostseeinsel Usedom mit ihren 508 Metern und der Rehaklinik Usedom.

längste Strandpromenade Europas bis Swinemünde
längste Strandpromenade Europas bis Swinemünde

Dann am Strandzugang 3/L kurz hinter dem Panorama Hotel Bansin, ist der schöne teure Radweg ohne irgendeinen Hinweis dann zu Ende. War hier etwa schon Usedom zu Ende? Nein, aber wohl die Strandpromenade mit seinen teuren Hotels und Villen schon.

Da wir aber weiter nach Ückeritz wollten, sollten wir unsere Fahrräder mit dem Gepäck eine recht steile Holztreppe nach oben zur Straße tragen. Das wollten wir aber natürlich nicht und wir fuhren lieber zurück bis die nächste Straße nach rechts kam.

Dann fuhren wir wieder rechts in die Bergstraße. Jetzt bereuten wir das wir kein E-Bike genommen hatten. Der Name Bergstraße war berechtigt. Nach einem kurzen Waldweg entdeckten wir ein altes Ferienlager, total verfallen und mitten im Wald.

Ostalgie pur. Dann ging es immer Bergauf und ab bis zum Zeltplatzeingang von Ückeritz. Jetzt merkten wir, das wir wirklich schon sehr lange nicht mehr dort waren.

Seebad Heringsdorf längste Seebrücke Deutschlands
Seebad Heringsdorf - längste Seebrücke - (508 m)

Alles war neu und hauptsächlich nur für Dauercamper ausgelegt. Für Familien war eine kleine Waldlichtung hergerichtet worden, was in der Hauptsaison sicherlich ein Erlebnis darstellen wird. Die Stelle wo wir früher immer zelteten war mit Bäumen und Sträuchern bewachsen.

Damals durfte man auch in Dünennähe vor der Straße sein Zelt aufschlagen. Am Ende des Zeltplatzes sind wir dann spontan in das Dünencafe eingekehrt. Dort gibt es leckere Fischbrötchen und Strandkörbe als Sitzplätze.

Müd und satt mieteten wir uns nun für 2,50 € die Stunde einen Strandkorb direkt an der Ostsee und genossen das herrliche Wetterchen. Unseren Rückweg wählten wir nun aber über die Strandstrasse, welche zum Bahnhof Ückeritz führte.

Diese Straße sind wir damals als Jugendliche so oft mit unserem Gepäck lang gelaufen. Heute fahren hier hauptsächlich nur noch Autos.

ehemaliges Ferienlager Bansin - Bansiner Bungalow Ruinen
Ferienlager Bansin - Bansiner Bungalow Ruinen

An der B111 ging es links Richtung Bansin auf einem Radweg entlang der parallel an der Straße entlang führte. Am Kletterwald Usedom machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Naturcampingplatz Hafen Stagnieß.

Hier sahen wir dann mal das Achterwasser, die Lagune des in die Ostsee mündenden Peenestroms. Zurück zur B111 und dann wie auf dem Hinweg an der Küste, Bergauf und ab, immer parallel zur viel befahrenen Straße, also keine wirkliche Erholung.

An der Bahnstation Schmollensee ging es weiter auf der L266 am Schmollensee vorbei, bis an eine Kreuzung in Bansin. Hier bogen wir links in die Seestraße. Kurz vor der Strandpromenade genehmigten wir uns noch ein Eis um dann wieder zurück nach Ahlbeck zu fahren.

Dort angekommen erstmal einen richtigen Café in unserer Ferienwohnung getrunken und dann Klamotten für die Ostseetherme Usedom gepackt.

Ostseeinsel Usedom - Menschenleerer Strand in Ückeritz
Ostseeinsel Usedom - Menschenleerer Strand

Mit einer Kurkarte welche man beim einchecken der Ferienwohnung entrichten musste, bekam man Rabatt. 2,50 € Kurtaxe pro Nase und Tag und dafür statt 16,00 €, für 12,00 € pro Nase und zwei Stunden in die Therme.

In der Therme kam man sich vor wie in Osteuropa. Die Osteuropäer mit den Kettchen haben gebadet und die Ohne waren Kassiererin, Bademeister und Reinigungskräfte. Es kam einem irgendwie allgemein so auf der gesamten Insel vor.

Viele Arbeitsplätze, wie Kassiererin beim Lila Bäcker oder im REWE usw. waren zu 89 Prozent nicht unbedingt an Einheimischen vergeben worden. Die Therme selbst war angenehm leer. Es gab ein Außenbecken, eine Römische Sauna, und einige Kinderbecken im Innenbereich.

Es gibt dann auch noch eine Saunawelt, welche aber mit Kurkarte nochmal mit 15,75 € extra zu Buche schlägt.

Ostseeinsel Usedom - Strandkorb (2,50 €/h) - Ostsee
Ostseeinsel Usedom - Strandkorb (2,50 €/h)

Am nächsten Tag ging es dann mit den Fahrrädern in Richtung Swinemünde auf Europas längsten Strandpromenade über die deutsch-polnische Grenze. Rechnet man die Baukosten um, sind hier entlang der Ostseedünen auf jedem Meter etwa 1.000 € verbaut worden.

Finanziert aus EU-Steuergeldern. Es war ein sehr sonniger und schöner Sonntagmorgen und wir fuhren bis nach Świnoujście hinein. Dort begann dann der sogenannte Polenmarkt und die Flaniermeile. Fahrräder waren nun plötzlich dort nicht mehr erlaubt.

Man musste einen einseitig angelegten Radweg, welchen man sich auch noch mit Fußgängern teilte an der Straße entlang fahren. Hinweisschilder waren hier auf polnischer Seite kaum zu finden und schwuppdiwupp, plötzlich waren wir ganz woanders.

Wir wollten aber unbedingt einmal an die Mündung der Swine was ja eigentlich der Ausläufer der Oder ist, welche erst ins Oderhaff und dann in die Ostsee mündet.

längste Strandpromenade - deutsch-polnische Grenze
Strandpromenade - deutsch-polnische Grenze

Wir fuhren durch den „Fontanna Park Zdrojowy“ und kamen dann an die Festungsanlage Fort Engelsburg in der Nähe vom Hafen an der Swine. Dort 2,50 € Eintritt abgegeben und auf den Turm geklettert. Der Rest dort war umsonst.

Dann fuhren wir einen Waldweg bis an die Mündung der Swine wo eine Mühlenbake auf der Westmole steht. Unser Ziel war erreicht und es ging jetzt auf dem richtigen Europaradweg zurück nach Ahlbeck. Auf polnischer Seite wird überall gebaut.

Mächtige Hotelketten wie zum Beispiel das Radisson Blu investieren dort das Geld und erweitern ihre Angebote. In Ahlbeck angekommen erstmal wieder Café und Fischbrötchen. Zum Ausklang genehmigten wir uns für den Rest des Tages einen Strandkorb.

Wir liesen nun einfach die Seele bei 19 Grad im April an der Ostsee baumeln. Zum Abend gaben wir unsere ausgeliehenden Fahrräder wieder zurück.

Die Festung Engelsburg in Swinemünde – Werk III
Die Festung Engelsburg in Swinemünde – Werk III

Wir fuhren gegen 17:23 Uhr mit der Usedomer Bäderbahn nach Züssow, stiegen dort wieder in den RE3 und waren um 22:00 Uhr in unserer Wohnung. Zusammenfassend ein sehr teures, aber schönes Wochenende.

Dadurch das viele Deutsche nicht mehr ins Ausland fahren, da Sie in Zeiten von Krisen und Terror lieber auf Nummer sicher gehen und die Ostsee relativ schnell zu erreichen ist, steigen die Preise an der Ostsee allgemein und ganz speziell auf Usedom jedes Jahr aufs neue. Selbst im Winter gehen die Preise nur sehr wenig zurück.

Das freut die Hotelbranche natürlich, jedoch Familien mit Kindern sollten sich dann doch lieber auf Eis baden einstellen oder eine Unterkunft weit weg vom Strand suchen und dann täglich mit dem Auto an die Ostsee fahren.

Doch die Straßen auf Usedom sind auch für ein Navi sehr übersichtlich.

Bei einigen Wolken am Himmel oder bei An und Abreise geht dann auf der guten Insel Usedom, Verkehrstechnisch gar nichts mehr. Wir waren diesmal jedoch noch voll von schönen Eindrücken auf der Insel. Genossen den Wind, die Sonne und natürlich die Ostsee. Zum Glück waren wir früher, wo es noch nicht so voll hier war, öfter hier. Reisebilder Ostseeinsel Usedom